Für die Westfjorde gibt es eine Grundregel: Alles dauert länger, als die Karte sagt. Die Straße folgt jedem Fjordarm hinein und wieder hinaus, viele Abschnitte sind Schotter, und du teilst die Fahrbahn mit Schafen, Radfahrern und Wohnmobilen. Visit Westfjords sagt das in den Tipps für Autofahrer genauso, und wir haben die Etappen danach geplant. Sie folgen der häufigsten Richtung – gegen den Uhrzeigersinn, zuerst der Südwesten, Ísafjörður in der Mitte –, die Runde funktioniert aber genauso gut andersherum.
Die offizielle Touristenroute heißt Vestfjarðaleiðin (The Westfjords Way). Sie ist rund 950 Kilometer lang, führt durch die Westfjorde und das Gebiet Dalir und wurde von Visit Westfjords und Visit West Iceland entwickelt. Empfohlen werden mindestens vier bis fünf Tage. Wir rechnen mit einer Woche, wenn Látrabjarg, eine Bootsfahrt ab Ísafjörður und ein Abstecher an die Strandir dabei sein sollen. Mit weniger Zeit hilft die Kurzversion in vier Tagen, mit mehr der Wochenplan mit Strandir.
Die Etappen im Überblick
Die Entfernungen sind gerundet und mit offenen Kartendaten entlang der Straße berechnet. Sie passen gut zu den Angaben von Visit Westfjords (zum Beispiel 233 km bis Hólmavík und 392 km bis Patreksfjörður ab Reykjavík). Die Fahrzeit ist reine Fahrzeit – Pausen kommen dazu.
| Etappe | Strecke | Ca. km | Tanken unterwegs |
|---|---|---|---|
| 1 | Reykjavík – Búðardalur – Flókalundur | 327 | Búðardalur, Reykhólar (Abstecher), Flókalundur |
| 2 | Flókalundur – Patreksfjörður, mit Látrabjarg und Rauðasandur | 62 + 120 + 72 | Patreksfjörður – keine Tankstelle am Látrabjarg oder Rauðasandur |
| 3 | Patreksfjörður – Bíldudalur – Dynjandi – Þingeyri | 126 | Tálknafjörður, Þingeyri |
| 4 | Þingeyri – Flateyri – Ísafjörður | 64 | Flateyri, Ísafjörður |
| 5 | Tag in Ísafjörður: Bolungarvík, Vigur oder Wale | 30–50 | Ísafjörður, Bolungarvík |
| 6 | Ísafjörður – Súðavík – Hólmavík | 225 | Súðavík, danach Hólmavík |
| 7 | Hólmavík – Reykjavík (eventuell über die Strandir) | 234 | Hólmavík; Drangsnes und Norðurfjörður an den Strandir |
Eine größere Karte mit Entfernungstabelle findest du auf der Kartenseite. Wie du zum Startpunkt kommst, steht unter Anreise.
Etappe 1: Hinein in die Westfjorde
Von Reykjavík fährst du auf der Ringstraße nach Norden und biegst Richtung Búðardalur auf die Straße 60 ab, den Vestfjarðavegur. Hinter Bjarkalundur bist du in den Westfjorden. Der Abschnitt durch die Gufudalssveit wird bis 2028 ausgebaut: Vegagerðin baut 25,8 Kilometer neue Straße, die die Strecke um über 20 Kilometer verkürzt, die Brücke über den Þorskafjörður ist seit 2023 offen. Im Sommer musst du mit Baustellen und provisorischen Abschnitten rechnen.
Die Alternative ist die Fahrt nach Stykkishólmur auf Snæfellsnes und die Fähre Baldur über den Breiðafjörður nach Brjánslækur. Das spart mehrere Stunden Fahrt, aber die Fähre fiel 2026 lange aus – prüfe immer zuerst ferja.is. Wie sich beide Halbinseln verbinden lassen, steht unter Westfjorde und Snæfellsnes.
Die Etappe endet in Flókalundur, wo die heiße Quelle Hellulaug direkt unterhalb des Hotels liegt. Siehe heiße Quellen.
Etappe 2: Die Südwestspitze
Von Flókalundur sind es rund 60 Kilometer nach Patreksfjörður, dem größten Ort im Süden. Von hier fährst du hin und zurück zum Vogelfelsen Látrabjarg (rund 60 km pro Richtung) und hinunter zum Strand Rauðasandur (rund 36 km pro Richtung). Beide Straßen haben lange Schotterabschnitte, und auf keiner gibt es eine Tankstelle.
Etappe 3: Wasserfall und Passstraße
Die Etappe führt über Tálknafjörður und Bíldudalur am Arnarfjörður entlang zum Dynjandi und weiter nach Þingeyri. Über die Dynjandisheiði hat Vegagerðin seit 2020 35,2 Kilometer neue Straße gebaut; der letzte Abschnitt sollte Ende September 2026 fertig sein. Richtung Þingeyri fährst du durch den Dýrafjarðargöng, den Tunnel, der 2020 eröffnet wurde und den alten Pass über die Hrafnseyrarheiði überflüssig gemacht hat.
Unterwegs liegen Hrafnseyri, der Geburtsort von Jón Sigurðsson, und das Freibad Reykjarfjarðarlaug.
Etappe 4: Die Fischerdörfer im Norden
Von Þingeyri sind es rund 40 Kilometer nach Flateyri und gut 20 weitere nach Ísafjörður. Das letzte Stück führt durch den Vestfjarðagöng, einen Tunnel von 1996 mit gut neun Kilometern und einer Kreuzung im Berg: Ein Arm führt nach Ísafjörður, einer nach Flateyri, einer nach Suðureyri. Große Teile des Tunnels sind einspurig mit Ausweichstellen; die Schilder an der Einfahrt zeigen, wer Vorfahrt hat. Mehr dazu im Straßenratgeber.
Wer Zeit hat, kann ab Þingeyri die Kjaransbraut um die Halbinsel fahren – aber nur mit geeignetem Auto und bei gutem Wetter.
Etappe 5: Ein Tag in Ísafjörður
Wir planen immer mindestens einen Tag ohne lange Fahrten in Ísafjörður ein. Fahr die 14 Kilometer nach Bolungarvík und auf den Aussichtspunkt Bolafjall, wenn die Straße offen ist, oder nimm das Boot nach Vigur oder zur Walbeobachtung. Alle Touren ab der Stadt stehen in der Tourenübersicht.
Etappe 6: Die lange Fjordstraße
Das ist die längste Etappe und die, die du am besten planen musst. Von Ísafjörður über Súðavík nach Hólmavík sind es rund 225 Kilometer auf der Straße 61, Fjord für Fjord rund um den Ísafjarðardjúp. Nach Súðavík haben wir bis Hólmavík, rund 200 Kilometer weiter, keine Tankstelle gefunden. Mit E-Auto sieht es besser aus: Der regionale Energieversorger Orkubú Vestfjarða hat unterwegs Ladesäulen bei Hvítanes und Reykjanes.
Halte am Polarfuchszentrum in Súðavík und bei Reykjanes, wo die Salzmanufaktur Saltverk Salz mit Erdwärme gewinnt.
Etappe 7: Zurück – oder weiter an die Strandir
Von Hólmavík sind es rund 234 Kilometer zurück nach Reykjavík. Mit einem Tag mehr fährst du zuerst auf der Straße 643 nach Norden an die Strandir: Djúpavík mit der alten Heringsfabrik und Norðurfjörður mit dem Freibad Krossneslaug. Das sind rund 100 Kilometer pro Richtung ab Hólmavík, und die Straße endet in Norðurfjörður.
Tanken und Laden auf der ganzen Runde
Die wichtigste Erkenntnis aus der Karte: Zwischen den Tankstellen liegen große Abstände, gefährlich lang sind sie aber nicht, wenn du tankst, wo du kannst. N1 hat Stationen unter anderem in Búðardalur, Reykhólar, Flókalundur, Patreksfjörður, Tálknafjörður, Þingeyri, Flateyri, Ísafjörður, Hólmavík, Drangsnes und Norðurfjörður; Olís/ÓB in Ísafjörður, Bolungarvík, Hólmavík und Búðardalur. Die vollständige Liste mit Ladesäulen steht unter Tankstellen und Laden.
Straßen, Schotter und Winter
Die Hauptstraßen sind asphaltiert, die Abstecher zu vielen Sehenswürdigkeiten aber Schotter. Das Tempolimit liegt bei 90 km/h auf Asphalt, 80 km/h auf Schotter und 50 km/h innerorts. Im Winter schließen mehrere Pässe ganz oder zeitweise. Ob du Allrad brauchst und was im Winter gilt, steht im Straßenratgeber und unter Westfjorde im Winter. Mit dem Wohnmobil unterwegs? Siehe Wohnmobil und Camping.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für die Westfjorde?
Vestfjarðaleiðin empfiehlt mindestens vier bis fünf Tage. Wir empfehlen eine Woche, wenn Látrabjarg, eine Bootsfahrt und die Strandir dabei sein sollen.
Wie lang ist die Rundreise durch die Westfjorde?
Die offizielle Route ist rund 950 Kilometer lang. Von Reykjavík und zurück ohne Abstecher rechnen wir mit rund 1.000 Kilometern.
Braucht man in den Westfjorden Allrad?
Im Sommer auf den Hauptstraßen nicht. Im Straßenratgeber steht, auf welchen Strecken es einen Unterschied macht.
